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(Quelle: FAZ vom 20.07.2006, Seite 19)
Der Emissionskalender
Zitterprämie
Die Pleiten der Immobilienunternehmen DM Beteiligungen und Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West werden die betroffenen Anleihegläubiger mehrere hundert Millionen Euro kosten. Abgesehen von diesem enormen Schaden, wird zudem das kleine, aber rasch wachsende Segment der von Mittelständlern in Eigenregie begebenen Anleihen in Mißkredit gebracht.
Seit einigen Tagen ermitteln die Staatsanwälte in den Fällen DM Beteiligungen und Leipzig-West nicht mehr nur wegen Insolvenzverschleppung, sondern auch wegen des Verdachts auf Betrug. Richtiger ist es wohl, von einem Fall zu sprechen. Denn vieles spricht dafür, daß hinter beiden Firmen der Nürnberger Kaufmann Jürgen Schlögel steckt. Bei Leipzig-West ist er Großaktionär, bei der Düsseldorfer DM Beteiligungen gilt er als Hintermann. Verbraucherschützer warnen schon seit Jahren vor den unseriösen Emittenten (siehe F.A.Z. vom August 2005), die ihre Wertpapiere dennoch weiter absetzen konnten.
Gelockt wurden viele Anleger mit seriös wirkender Werbung und professionellen Verkaufsprospekten. DM-Beteiligungen konnte bis Mai 2005 sogar damit werben, daß ein ehemaliger Bremer Justizsenator dem Aufsichtsrat angehörte. Zudem war der Zins mit gut 6 Prozent zwar hoch, aber nicht so auffällig und unrealistisch hoch, daß jeder stutzig werden mußte. Auf diese Weise haben die beiden Gesellschaften — möglicherweise in einem Schneeballsystem — mehr als 300 Millionen Euro eingesammelt. Davon wurde ein Teil allerdings für die Rückzahlung von Forderungen verwendet, so daß der Schaden deutlich geringer sein dürfte, zumal die Unternehmen werthaltige Immobilien besitzen. So ist die DM
Beteiligungen Eigentümerin von mehreren Gebäuden auf dem Bremer Flughafen. Der Bremer Rechtsanwalt Wilhelm Segelken, einer von mehreren Anwälten, die Sammelklagen organisieren, schätzt den Restwert der Anleihen der Leipzig West auf etwa 60 Prozent. Mit etwas Glück kommen viele Anleger also noch relativ glimpflich davon.
Bei anderen Insolvenzen auf dem grauen Kapitalmarkt war der Verlust in den vergangenen Jahren weitaus größer. Allerdings kann es noch Jahre dauern, bis das Insolvenzverfahren beendet ist und das restliche Geld endlich fließt.
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