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Neben Schadensersatzansprüchen bestehen Entschädigungsansprüche

Quelle: Weserkurier vom 27.07.06

Schatten der Pleite weist nach Bremen

Die DM-Beteiligung hat starke Wurzeln in der Hansestadt

BREMEN: Nach den Insolvenzen der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG (WBG) und der DM-Beteiligungen AG (DM), die für rund 40.000 Anleger in der Bundesrepublik einen Schaden von mehreren hundert Millionen Euro zur Folge haben könnten (wir berichteten), versuchen Verbrauchervereinigungen, für Betroffene zu retten, was noch zu retten sein könnte. Der Schatten der Pleiten, die als bisher größte deutsche Anleger-Pleite mit Inhaberschulverschreibungen gelten, fällt dabei auch auf Bremen.

Fachleute vermuten, dass die DM nach dem gleichen Muster wie die WBG verfuhr, indem sie ihren Kunden Unternehmensanleihen mit hoher Verzinsung zum Kauf anbot, jetzt aber offenbar nicht mehr in der Lage ist, ihren Gläubigern die versprochenen Zinsen auszuzahlen. Vermutet wird ein Schneeballsystem zu Lasten von Anlegern, möglicherweise gab es auch Geldabzweigungen in Millionenhöhe. Als einer der Drahtzieher der Pleiten bei der WBG und der DM gilt der Nürnberger Kaufmann J. S. (anonymisiert, d.V.), den die Leipziger Staatsanwaltschaft in der vorigen Woche verhaften ließ.

Ein Blick in den DM-Verkaufsprospekt ISIN DE 000 C4 XB4 aus dem Jahr 2005 weist aus, dass das Grundkapital der DM Beteiligungen AG zum Zeitpunkt der Prospektveröffentlichung zu 100 Prozent von A. M. (anonymisiert, d.V.), Bremen, gehalten wurde. Bis 2004 hatte der Bremer Wirtschaftsprüfer G. R. (anonymisiert, d.V.) ein Aufsichtsratmandat inne, was ihm aber mehr und mehr Kopferbrechen bereitete. Im August 2004 schließlich wurde ein Nachfolger gewählt. „Ich bin zurückgetreten, weil sich Dinge abzeichneten, die man so nicht mittragen konnte,“ sagte R. heute.

Mit ihm bekamen zwei weitere Aufsichtsratmitglieder einen Nachfolger bei DM, darunter auch der frühere Bremer Justizsenator und zweitweilige Senator für Bundesangelegenheiten, W. K. (anonymisiert), der bis zu seiner Ablösung bei DM stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender gewesen war. Dem Ex-Senator, der zurzeit im Urlaub ist und für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar war, dürften die aktuellen Turbulenzen um die WBG und die DM wenig Freude zu machen.

Warnung an die Adresse potenzieller Anleger, die Schuldverschreibungen zu zeichnen, datieren allerdings zurück bis zum Jahr 2002. als Zweifel an der Seriosität des Angebots aufkamen. Der genannte Verkaufsprospekt aus dem vergangenen Jahr ist gespickt mit eindruckvollen Fotos aus dem Bremer Gewerbegebiet Airport City. Kein Zufall, denn die DM hält 50 Prospekt des Kommanditkapitals der AIV wiederum betreut elf Gebäude mit insgesamt 29.191 Quadratmetern Büro- und Ladenflächen an der Flughafenallee und an der Otto-Lilienthal-Straße, darunter das Airport City Center. „Statt der DM erscheint eben jetzt der Insolvenzverwalter“, kommentiert AIV- Geschäftsführer F. K. (anonymisiert, d.V.) etwas resigniert die Situation.